Siemens, Leopold Bruno Paul
| * 17. Mai 1889, Berlin † 7. Dezember 1979, Köln oder Essen |
Leopold Siemens war der Sohn des Elektrotechnikers und späteren Ingenieurs Carl Ernst Albert Siemens und dessen Ehefrau Luise Charlotte, geboren Clarus. Er trat nach seinem Abitur am Realgymnasium in Berlin, welches er am 23. März 1910 erhalten hat, am 1. April 1910 als Seekadett in die Kaiserliche Marine ein. Nach seiner Grundausbildung vom 7. April 1910 bis zum 12. Mai 1910 beim Seekadettendetachement "Victoria Louise" absolvierte er vom 13. Mai 1910 bis zum 31. März 1911 seine Schiffsausbildung (Praktische Bordausbildung" auf dem Großen Kreuzer SMS "Victoria Louise". Anschließend kam er am 1. April 1911 zum Offizierhauptlehrgang an die Marineschule in Mürwik und absolvierte verschiedene Spezialkurse. Vom 1. April 1912 bis zum 30. Juni 1912 besuchte er einen Lehrgang bei der Schiffsartillerieschule. Dabei wurde er am 15. April 1911 (E3e) unter Verleihung des Reifezeugnis zum Fähnrich zur See zum Fähnrich zur See befördert. Vom 1. Juli 1912 bis zum 31. August 1912 folgte der Lehrgang auf dem Schulschiff "Württemberg" und vom 1. September 1912 bis zum 30. September 1912 einen Lehrgang bei dem II. Seebataillon. Nachdem er die Schule und die Lehrgänge erfolgreich absolviert hatte, wurde er am 1. Oktober 1912 für die praktische Bordausbildung auf das Linienschiff SMS "Rheinland" versetzt. Sein Patent als Fähnrich zur See wurde am 2. November 1912 auf den 15. April 1911 (M2m) abgeändert. Vom 2. Juni 1913 bis zum 12. Juli 1913 besuchte er einen Funktechnik-Lehrgang an Bord vom Schulschiff "Württemberg" und ging danach wieder an Bord der "Rheinland". Während seiner Zeit an Bord vom Linienschiff "Rheinland" erfolgte am 27. September 1913 (A3a) unter Verleihung des Reifezeugnis zum Seeoffizier seine Beförderung zum Leutnant zur See. Auch nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges befand er sich noch an Bord der SMS "Rheinland". Am 2. September 1914 wurde er als Funktechnik-Offizier an Bord des Kleinen Kreuzers SMS "Frauenlob" versetzt. Bereits am 1. Oktober 1914 kehrte er als 3. FT-Offizier an Bord der SMS "Rheinland" zurück. Am 30. November 1914 wurde er als 3. FT-Offizier an Bord des Linienschiffs "Friedrich der Große" versetzt. Am 23. Januar 1915 wurde er als 2. FT-Offizier wieder an Bord der SMS "Rheinland" zurückversetzt. Dort blieb er bis zum 26. Juni 1916, wobei er am 22. März 1916 (F2f) zum Oberleutnant zur See befördert wurde. Als solcher war er am 31. Mai 1916 und am 1. Juni 1916 an der Schlacht vor dem Skagerrak beteiligt. Danach wurde er am 27. Juni 1916 als 1. FT-Offizier auf das Linienschiff "Ostfriesland" versetzt. Am 4. November 1917 wurde er in den Stab des I. Geschwaders versetzt und weiter an Bord vom Linienschiff "Ostfriesland" eingesetzt. Dort wurde er bis zum Ende des Krieges als Flaggleutnant und 1. FT-Offizier verwendet. Er heiratete am 29. Dezember 1917 die fast zehn Jahre jüngere Elisabeth Reimers, Tochter des örtlichen Apothekers, in Neuenburg in Oldenburg. Sein erstes Kind war die am 9. November 1918 in Neuenburg geborene Ursula Siemens. Am 1. Dezember 1918 wurde er als Adjutant zur 3. Abteilung der II. Werft-Division versetzt. Er wurde im 1. Weltkrieg mit beiden Eisernen Kreuzen ausgezeichnet. Vom 5. April 1919 bis zum 16. Juni 1919 wurde er als Adjutant bei der II. Matrosen-Division verwendet. Ab dem 17. Juni 1919 gehörte er zur Freiwilligen Schutztruppe Wilhelmshaven. Bei der Übernahme in die vorläufige Reichsmarine gehörte er als Adjutant zum Küstenwehrregiment Wilhelmshaven. Seine Vereidigung auf die neue Reichsverfassung erfolgte am 2. Oktober 1919. Vom 17. März 1920 bis zum 30. Mai 1920 wurde er der Admiralität zur Verfügung gestellt und dabei beurlaubt. Am 26. Oktober 1920 wurde er als Adjutant zur Schiffsstammdivision der Nordsee versetzt. Dort wurde er später auch noch als Kompanieführer verwendet. Zum 1. Januar 1921 wurde er zum Kapitänleutnant (11) befördert. Vom 26. September 1921 bis zum 22. Oktober 1921 wurde er zur Information beim Heer kommandiert. Sein einziger Sohn war der am 5. Februar 1922 in Wilhelmshaven-Rüstringen geborene Horst-Dieter Siemens. Vom 1. Mai 1922 bis zum Mai 1922 besuchte er einen Sportlehrgang für Stabsoffiziere. Anfang Oktober 1922 wurde er als 2. Adjutant zum Stab der Marinestation der Nordsee (Stationskommando Wilhelmshaven) in Wilhelmshaven versetzt. Ab dem 27. September 1924 wurde er für etwa ein Jahr als Wachoffizier an Bord vom Linienschiff "Elsaß" eingesetzt. Vom 9. Februar 1925 bis zum 14. März 1925 besuchte er einen Sonderlehrgang bei der Inspektion des Bildungswesens der Marine. Danach wurde er wieder als Wach- und Rollenoffizier an Bord vom Linienschiff "Elsaß" eingesetzt. Als sein Schiff von der Nordsee zur Ostsee versetzt wurde, kam er am 1. Oktober 1925 als Rollenoffizier an Bord des Linienschiffs "Hannover" versetzt, die gerade nach Wilhelmshaven verlegt wurde. Vom 8. November 1925 bis zum 20. November 1925 wurde er zum Sonderlehrgang "Panther" kommandiert. Am 1. März 1927 wurde er als Rollenoffizier an Bord des in Wilhelmshaven wieder in Dienst gestellten Linienschiffs "Schlesien" versetzt. Nicht einmal zwei Monate später wurde er am 20. April 1927 der Marinestation der Nordsee zur Verfügung gestellt. Ab dem 1. Mai 1927 wurde er von dort als Segeloffizier an Bord der Segeljacht "Asta" entsendet. Am 18. Oktober 1927 wurde er als Referent zur Inspektion des Bildungswesens der Marine versetzt. Er wohnte damals privat in der 2. Etage der Feldstraße 76 in Kiel. Am 1. März 1929 wurde er zum Korvettenkapitän befördert. Als solcher wurde er am 9. Januar 1930 als I. Offizier an Bord des Kreuzers "Emden" versetzt. Er passierte an Bord am 14. Januar 1930 (Ausfahrt) und am 11. Mai 1930 (Heimreise) die Straße Dover-Calais. Auf der 2. Reise passierte dies am 2. Dezember 1930 (Ausfahrt) und am 4. Dezember 1931 (Heimreise). Am 3. Oktober 1932 wurde er als 1. Adjutant zum Stab der Marinestation der Ostsee versetzt. Vom 6. Februar 1933 bis zum 11. Februar 1933 wurde er zu einem Torpedolehrgang für Stabsoffiziere an die Torpedo- und Nachrichtenschule kommandiert. Am 23. März 1933 wechselte er als Referent in die Marineoffizierspersonalabteilung (MPA I) der Marineleitung in das Reichswehrministerium (RWM) nach Berlin. Vom 15. Januar 1934 bis zum 20. Januar 1934 wurde er wieder zu einem Torpedolehrgang für Stabsoffiziere kommandiert. In der Marineleitung wurde er am 1. Oktober 1934 (1) zum Fregattenkapitän befördert. Am 21. September 1935 wurde er als Nachfolger von Kapitän zur See Günther Lütjens als Kommandant an Bord des Kreuzers "Karlsruhe" versetzt. Bei der 1. Reise passierte er an Bord am 24. Oktober 1935 (Ausfahrt) und am 6. Juni 1936 (Heimreise) die Straße Dover-Calais. Während der 1. Reise wurde er am 20. April 1936 mit Wirkung vom 1. April 1936 (3) zum Kapitän zur See befördert. Bei der 2. Reise passierte er die Straße Dover-Calias am 29. Dezember 1936 (Ausfahrt) und am 21. Februar 1937 (Heimreise). Sein Vater starb am 30. Dezember 1936 im Alter von 78 Jahren im Städtischen Krankenhaus Berlin-Pankow. Seine 3. Reise ließ ihn am 19. Juni 1937 die Straße Dover-Calais auf der Ausfahrt und am 29. Juni 1937 auf der Heimfahrt passieren. Anfang September 1937 wurde er als Kommandant abgelöst und zur Einweisung als Marineattaché zur Marineleitung kommandiert. Sein Nachfolger als Kommandant der "Karlsruhe" wurde Kapitän zur See Erich Förste. Am 29. September 1937 wurde er als Marineattaché an die deutsche Botschaft in London versetzt. Außerdem war er auch Marineattaché der deutschen Gesandschaft in Den Haag mit Sitz in London. Diese Positionen behielt er bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges. Ab dem 5. September 1939 wurde er in der Seekriegsleitung vom Oberkommando der Kriegsmarine als Chef der Amtsgruppe Unterseebootswesen eingesetzt. Am 17. Dezember 1939 wurde er mit Wirkung vom 1. Januar 1940 (6) zum Konteradmiral befördert. Er wohnte danals privat im Marinesteig 2 in Berlin-Schlachtensee und hatte die Telefonnummer 852389. Am 20. Dezember 1940 wurde er zum 2. Admiral der Flotte ernannt. Das Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse mit Schwertern wurde ihm am 9. Februar 1941 verliehen. Am 21. Juni 1941 wurde er zum Admiral der norwegischen Nordküste in Drontheim ernannt. Die Spange zum Eisernen Kreuz 2. Klasse wurde ihm am 1. September 1941 verliehen. Am 21. März 1942 wurde er mit Wirkung vom 1. April 1942 (3) zum Vizeadmiral befördert. Die Spange zum Eisernen Kreuz 1. Klasse wurde ihm am 20. April 1942 verliehen. Am 1. Februar 1943 wurde er Kommandierender Admiral der norwegischen Nordküste in Drontheim. Sein einziger Sohn Horst Dieter Siemens ist an Bord von U 632 von der 1. U-Flottille am 6. April 1943 im Nordatlantik gefallen. Sein Schiff wurde ein Flugzeug versenkt. Am 7. November 1944 trat er zur Verfügung des Oberbefehlshabers des Marineobberkommandos Ostsee, seine Nachfolge trat Konteradmiral Erich Schulte-Mönting an. Das Deutsche Kreuz in Gold wurde ihm am 8. November 1944 (Verfügung 17. Dezember 1944) verliehen. Am 8. Januar 1945 wurde er mit Wirkung vom 31. Januar 1945 unter Verleihung des Rechts zum Tragen der bisherigen Uniform aus dem aktiven Wehrdienst der Kriegsmarine entlassen. Er wurde am gleichen 8. Januar 1945 mit Wirkung vom 1. Februar 1945 wieder zur Verfügung der Kriegsmarine gestellt, und mit dem gleichen Tag auf Grund des Wehrgesetzes als Vizeadmiral z.V. zum aktiven Wehrdienst einberufen. Er wurde jetzt beim Oberprisenhof Berlin eingeteilt. Er wohnte nach dem Krieg bis mindestens 1953 in der Deichstraße 1 in 24a Cuxhaven-Groden und hatte die Telefonnummer 3735. Er arbeitet dort als Vertreter der Firma Theo Müller. Als solcher lebte er 1954 in der Papenhuder Straße 56 in Hamburg 24 und hatte die Telefonnummer 221880. Mitte der 60iger Jahre lebte er in der Lenaustraße 10 in Junkersdorf. 1968 zog er in den Bayenthalgürtel 2 in Köln 5 und hatte die Telefonnumer 381148. In Köln lebte auch seine Tochter mit ihrem Mann, dem 1908 geborenen Fregattenkapitän a.D. Herbert Max Schultz-Siemens. Er starb am 7. Dezember 1979. Nach seiner Geburtsurkunde war sein Todesort in Essen. Er selbst wurde nach seinem Tod auf dem Stadtfriedhof Aurich beigesetzt.
Aus der am 31. März 1887 in Berlin geschlossenen Ehe seiner Eltern sind noch
einige Geschwister bekannt.
Seine ältere Schwester war die am 26. Februar
1888 in Rixdorf bei Berlin geborene Helene Luise Eugenie Siemens. Diese
heiratete am 11. September 1915 den drei Jahre jüngeren Leutnant der Reserve im
Königin Elisabeth Garde-Grenadier-Regiment Nr. 3 und Kaufmann Rudolf Waldemar
Albitz, Sohn vom pensionierten Eisenbahnzugführer Johann Gottlieb Albitz, in
Berlin-Pankow.
Eine jüngere Schwester war die am 12. Mai 1891 in Berlin
geborene Therese Charlotte Siemens. Diese starb am 12. September 1970 in
Hamburg.
Eine weitere jüngere Schwester war die am 1. November 1892 in Berlin
geborene Elli Anna Alwine Siemens.
Eine weitere jüngere Schwester war die am
23. Mai 1894 in Berlin geborene Katharina Hertha Siemens.
Seine jüngere
Schwester Gertrud Siemens wurde 1896 in Hermsdorf, Kreis Niederbarnim, geboren.
Diese Schwester starb am 28. März 1908 im Alter von 12 Jahre in der elterlichen
Wohnung in der Mandelstraße 46 in Berlin-Pankow.
Ein jüngerer Bruder
war der am 17. Oktober 1896 in Hermsdorf, Kreis Niederbarnim, geborene
Kurt
Ernst Siemens. Dieser starb als Schüler und Kriegsfreiwilliger in der 11.
Kompanie vom 2. Garde-Regiment zu Fuß am 5. Mai 1915 im Alter von 18 Jahren im
Feldlazarett 4 des Gardekorps in Olpiny. Er starb an der in der Schlacht bei
Gorlice-Tarnow am 4. Mai 1915 erlittenen Wunde (Brustschuß).
Ein weiterer
jüngerer Bruder war der am 22. Mai 1898 in Hermsdorf, Kreis Niederbarnim,
geborene Werner Arnold Willi Siemens. Dieser heiratete als Kaufmann am 27. Juli
1923 die drei Jahre jüngere Postgehilfin Martha Anna Elise Kurzmann, Tochter des
Buchbindermeisters Heinrich Ernst Johannes August Kurzmann, in Berlin-Pankow.
Die Ehe wurde später geschieden. Am 7. Dezember 1935 heiratete er in zweiter Ehe
als Stadtrat die vierzehneinhalb Jahre jüngere Ilse Gertrud Anna Cramer, Tochter des
Justizamtmanns im Ruhestand Ernst Cramer, in Berlin-Pankow. Aus dieser Ehe
entstanden 1937 und am 2. Januar 1941 jeweils Söhne. Sein Bruder starb am 2. Mai
1945 und wurde in Berlin-Schönerlinde beigesetzt.
Eine weitere jüngere
Schwester war die am 31. August 1902 in der Florastraße 68 in Berlin-Pankow
geborene Fritzi Nelli Siemens. Diese Schwester starb am 19. Januar 1999 in
Hamburg-Eimsbüttel.
Literatur und Quellen:
Hans H. Hildebrand: Deutschlands Admirale 1849–1945. Band
2: P–Z (Packroß bis Zuckschwerdt). Biblio Verlag, Osnabrück 1990
Pers 6/2315