Schubert, Günther Paul

 

* 29. Dezember 1898, Zehlendorf (Berlin)

† 29. Oktober 1974, Kiel

 

 

Günther Schubert war der jüngste Sohn des kaiserlichen Rechnungsrates Louis Eduard Paul Schubert und dessen fast vier Jahre jüngeren Ehefrau Hedwig Marie, geborene Schmidt. Sein Vater starb am 8. August 1916. Er trat nach seinem Notabitur am 4. Juli 1916 als Kriegsfreiwilliger Seekadettenanwärter in die Kaiserliche Marine ein. Nachdem er eine erste infanteristische Grundausbildung absolviert hatte, kam er am 3. September 1916 für die Bordausbildung an Bord des Schweren Kreuzers SMS "Freya" unter Kapitän zur See Wilhelm Goetze. Die Ausbildung endete im November 1916. Danach wurde er an Bord vom Großlinienschiff "Großer Kurfürst" versetzt. Dort wurde er am 26. April 1917 zum Fähnrich zur See, vorläufig ohne Patent, befördert. Ende Oktober 1917 wurde er an Bord vom Großlinienschiff "Baden" versetzt. Vom 18. März 1918 bis zum 4. Mai 1918 hat er am Lehrgang für Funkentelegraphie bei der F.T.-Schule in Mürwik teilgenommen. Ab Juni 1918 versah er den Dienst als F.T.O. auf der "Baden". An Bord des Schiffes wurde ihm nach der Verhandlung am 19. Juli 1918 bestätigt, die Befähigung zum Seeoffizier zu haben. Daraufhin wurde er am 18. September 1918 zum Leutnant zur See, vorläufig ohne Patent, befördert. Im November 1918 wurde er als F.T.O. auf das Linienschiff "Kaiser Wilhelm II." unter Korvettenkapitän Hellmuth von Hugo versetzt, wodurch er jetzt zum Kommando der Hochseestreitkräfte gehörte. Am 1. März 1919 wurde er als Schriftoffizier und F.T.Offizier zur 10. Nordsee-Minensuch-Halbflottille (später VII. Nordsee-Minensuch-Halbflottille) kommandiert und tat gleichzeitig Dienst als Wachoffizier auf dem Führerboot "M 76" bzw. "M 138". Dort blieb er bis Mitte März 1920. Zeitweise war er auch Signal- und Sportoffizier. Er hatte sich Weihnachten 1919 verlobt. Später gehörte er auf "M 138" zur 8. Nordseeminensuchhalbflottille. Ab Oktober 1920 gehörte er zur 12. Halbflottille, die zum 1. Juli 1921 abgewickelt wurde. Bei dieser hat er am 29. Oktober 1920 auch einen Verpflichtungsschein für die neue Reichsmarine unterschrieben. Im Mai 1921 reichte er sein Gesuch zur Verheiratung ein, welches aber im Juli 1921 wegen seines zu geringen Lebensalters abgelehnt wurde. Am 14. Mai 1921 hat er sein Patent als Leutnant zur See vom 18. September 1918 (9) erhalten. Ab Ende September 1921 gehörte er als Wachofficer zur 11. Halbflottille der 6. Flottille. Er wurde als II. Wachoffizier an Bord vom Führerboot "M 117" verwendet. Er reichte am 27. Januar 1922 und am 22. Februar 1922 jeweils wieder ein Gesuch zur Erteilung der Heiratserlaubnis ein, letzteres wurde am 24. März 1922 gestattet. Bereits am 1. Februar 1922 wurde er als Kompanieoffizier zur Küstenwehrabteilung II nach Wilhelmshaven versetzt. Dort wurde er am 1. April 1922 (25) zum Oberleutnant zur See befördert. Er heiratete am 12. Mai 1922 die etwa zwei Monate ältere Ida Luise Emma Huß, Tochter vom Sanitätsrat Dr. Otto Friedrich Detlef Huus aus Apenrade (Dänemark), in Flensburg. Aus dieser Ehe entsprangen 3 Kinder (2 Söhne und 1 Tochter). Weil er sich Ende November 1922 vor Dienst so stark betrunken hatte, dass die Disziplin beim darauf folgenden Dienst gefährdet wurde, wurde er durch Korvettenkapitän Hasso von Bredow mit 5 Tagen Stubenarrest bestraft und später seine Ablösung beantragt. Am 13. Dezember 1922 wurde er als Kompanieoffizier zur II. Abteilung der Schiffstammdivision der Nordsee ebenfalls in Wilhelmshaven versetzt, zu er fast drei Jahre gehören sollte. Er trat seine neue Stellung anscheinend erst am 7. Januar 1923 an. Zum Anfang war bei der in Norderney untergebrachten 8. Kompanie im Einsatz. Sein erstes Kind war der am 18. Januar 1923 in Wilhelmshaven-Rüstringen geborene Helmut Otto Paul Schubert. Im November 1923 beantragte er einen Auslandsurlaub von Mitte Dezember 1923 bis Mitte Januar 1924 nach Apenrade in Dänemark, wo er die Ramsharde 8 als Adresse angegeben hat. Vom 15. Mai 1924 bis zum 5. Juni 1924 erhielt er wieder einen Urlaub nach Apenrade (Nordschleswig), Reinfeld (Holstein) und Kiel genehmigt. Vom 11. Juni 1924 bis zum 18. Juli 1924 wurde er zu einem abgekürzten Waffenlehrgang für Seeoffiziere an die Schiffsartillerieschule (S.A.S.) kommandiert. Im Herbst 1924 wurde er zur I. Abteilung der Schiffstammdivision der Nordsee versetzt, wo er bei der Behördenkompanie als Zugführer des Unteroffizierzuges eingesetzt wurde. Parallel vertrat er für längere Zeit den Adjutanten der Abteilung, Oberleutnant zur See Adolf Pirmann. Ab dem 1. April 1925 war er mit der Ausbildung der Offizieranwärter betraut. Ende September 1925 wurde er als Wachoffizier zur 3. Torpedoboot-Halbflottille versetzt. Er wurde jetzt als Wachoffizier auf dem Torpedoboot "V 3" eingesetzt. Am 2. Juni 1926 erhielt er vom Kommandant, Kapitänleutnant Bülow, einen einfachen Verweis wegen Unpünktlichkeit im Dienst. Am 27. September 1927 wurde er zum Kommandant vom Torpedoboot "V 3" ernannt. Am 1. März 1929 erhielt er wegen des Verlusts seines Truppenausweises einen einfachen Verweis vom Chef der 3. Torpedoboots-Halbflottille, Korvettenkapitän Oskar Kummetz. Es folgte am 1. April 1929 (9) seine Beförderung zum Kapitänleutnant. Am 15. April 1929 wurde er zum ersten Kommandant vom neu indienstgestellten Torpedoboot "Luchs" ernannt. Als solcher wurde er am 23. Juli 1929 durch den Chef der 3. Torpedoboots-Halbflottille, Korvettenkapitän Oskar Kummetz, einen strengen Verweis, weil er als Kommandant es an genügender seemännischer Vorsicht hatte fehlen lassen. Am 25. September 1929 wurde er als seemännischer Personalreferent wieder zur Schiffstammdivision der Nordsee versetzt. Sein Nachfolger als Kommandant vom Torpedoboot "Luchs" wurde Erich Schulte-Mönting. Er erhielt vom 22. Dezember 1929 bis zum 7. Januar 1930 wieder einen Urlaub nach Apenrade genehmigt. Vom 28. Juni 1930 bis zum 3. August 1930 wurde er nach Dänemark und Schweden beurlaubt. In Schweden machte er ein 12tägige Tourenfahrt auf dem Dampfer "Orion". Nach etwas zwei Jahren wurde er am 30. September 1931 als Referent der Abwehrabteilung (Abw) in das Ministeramt (MA) vom Reichswehrministerium (RWM) nach Berlin versetzt. Dort bearbeitete er die Angelegenheiten der militärischen Spionageabwehr. Bei der Erweiterung der Reichswehr zur Wehrmacht wurde er am 28. September 1934 als Nachfolger von Kapitänleutnant Erich Bey zum Chef der 1. Schnellbootshalbflottille ernannt. Als solcher wurde er am 1. April 1935 (31) zum Korvettenkapitän befördert. Seine Einheit wurde 1935 zur 1. Schnellbootsflottille erweitert. Seine einzige Tochter Margrit Elisabeth Schubert wurde 1935/36 in Kiel geboren. Am 28. September 1936 wurde er in die Operationsabteilung (A I) beim Marinekommandoamt (A) im Oberkommando der Kriegsmarine (OKM) versetzt. Sein Nachfolger als Chef der 1. Schnellbootsflottille wurde Korvettenkapitän Heinz-Dietrich von Conrady. Am 2. August 1938 wurde er als Leiter der Baubelehrung zur Baubelehrung vom Schlachtschiff "Scharnhorst" zur Kriegsmarinewerft Wilhelmshaven kommandiert. Am 1. Januar 1939 (11) wurde er zum Fregattenkapitän befördert. Als solcher wurde er am 7. Januar 1939 bei der Indienststellung des Schiffes zum I. Offizier der "Scharnhorst" ernannt. Vom 21. November 1939 bis zum 27. November 1939 war er mit der "Scharnhorst" am Vorstoß mit dem Schwesterschiff "Gneisenau" in die Gewässer südlich von Island beteiligt, bei dem am 23. November 1939 der britische Hilfskreuzer HMS Rawalpindi, ca. 145 Seemeilen nordwestlich der Färöer-Inseln, versenkt wurde. Als Zeit auf hoher See galt dabei der Zeitraum vom 22. November 1939 bis zum 26. November 1939. Beim Unternehmen Weserübung nahm er vom 7. April 1940 bis zum 12. April 1940 an einer Unternehmung der Marine (Unterstützung der Landeinheiten bei der Besetzung von Norwegen und Dänemark) teil. Beim Seegefecht vor den Lofoten hat es sein Schiff mit der "Gneisenau" mit den Schlachtkreuzern Renown und Birmingham zu tun bekommen. Am 1. Juni 1940 (2) wurde er zum Kapitän zur See befördert. Am 12. September 1941 wurde er zum Chef der Organisationsabteilung (Qu A II) beim Quartiermeisteramt der Seekriegsleitung ernannt. Sein Nachfolger als I.O. auf der "Scharnhorst" wurde Fregattenkapitän Hilmar Schroeter. Am 26. Februar 1943 wurde er mit Wirkung vom 1. März 1943 (7) zum Konteradmiral befördert. Sein ältester Sohn, Oberleutnant zur See Helmut Schubert, ist Anfang März 1945 auf der Reede in Saßnitz gefallen, eigentlich wohnte er damals in der Rickestraße 32 in Zoppot. Ende März 1945 wurde er abgelöst und war danach bis zum Kriegsende als Nachfolger von Vizeadmiral Werner Lange Kommandierender Admiral westliche Ostsee. Nach dem Krieg wurde er mit der Auflösung des OKM im Juli 1945 Chef des I. Deutschen Minenräumdienstkommandos vom DMRD, welches im April 1946 aber bereits wieder aufgelöst wurde. Offiziell wurde er von den Besatzungsmächten im April 1947 entlassen. Seine Privatanschrift war der Düsternbroker Weg 22 in Kiel. Später war er als CDU-Mitglied Stadtrat in Kiel. Ab 1955 war er Vorsitzender der Kieler Block-Fraktion aus CDU, FDP, GB/BHE und SHB.

Aus der am 12. Mai 1883 in Bischofswerde geschlossenen Ehe seiner Eltern sind mehrere Geschwister bekannt.
Sein ältester Bruder war der am 3. Juni 1884 in Groß Lichterfelde geborene Erich Eduard Louis Schubert. Dieser Bruder war Musiker (Cellist). Er starb 1963.
Seine älteste Schwester war die am 19. Juli 1885 in Groß Lichterfelde geborene Gertrud Maria Johanna Schubert. Sie wurde Musikerin (Konzertpianistin). Diese Schwester starb am 4. September 1977.
Ein weiterer älterer Bruder war der am 18. September 1888 in Berlin geborene Walter Paul Hans Schubert. Er heiratete als Kontorist am 25. April 1914 die anderthalb Jahre ältere Kontoristin Toni Therese Dabergotz, Tochter des Bildhauers Karl August Heinrich Wolf Dabergotz, in Berlin. Seine Ehefrau starb am 23. Januar 1949 im Krankenhaus Hedwigshöhe in Berlin-Bohnsdorf. Als Todesursache wurde Herzfehler, Herzschwäche angegeben.  Er heiratete daraufhin am 12. August 1949 die fast acht Jahre jüngere Hildegard Karoline Kilian in Berlin. Dieser Bruder starb als Kaufmann im Jahr 1971.
Eine weitere ältere Schwester war die am 15. Oktober 1892 in Zehlendorf geborene Käthe Charlotte Sofia Schubert. Sie heiratete am 24. Februar 1922 den über zwei Jahre älteren Georg Johannes Theodor Wolters, Sohn vom Johannes Christian Anton Wolters. Aus dieser Ehe entsprangen mindestens zwei Töchter. Diese Schwester starb am 13. Dezember 1949 in Lübeck.
Ein weiterer älterer Bruder war der am 18. Oktober 1896 in Zehlendorf geborene Hans Joachim Paul Schubert. Dieser Bruder starb 1971.

 

Literatur und Quellen:

Hans H. Hildebrand: Deutschlands Admirale 1849–1945. Band 2: P–Z (Packroß bis Zuckschwerdt). Biblio Verlag, Osnabrück 1990
Pers 6/2373