Wehr, Oskar

 

* 20. Januar 1886, Bernkastel an der Mosel

† 1. Juni 1968, Eckernförde

 

 

Oskar Wehr trat am 6. April 1904 als Seekadett in die Kaiserliche Marine ein. Nach seiner Grundausbildung und seiner Seeausbildung auf dem Schulschiff SMS "Stosch" absolvierte er mehrere Spezialkurse und besuchte die Marineschule in Mürwick. Am 11. April 1905 wurde er zum Fähnrich zur See ernannt und am 1. Oktober 1906 auf das Linienschiff SMS "Zähringen" versetzt. Hier erfolgte am 28. September 1907 seine Beförderung zum Leutnant zur See und am 12. Juli 1909 zum Oberleutnant zur See. Am 21. September 1910 wurde Oskar Wehr als Kompanieoffizier zur II. Torpedo-Division versetzt. Bei der II. Torpedo-Division war er zwischen dem 21. September 1910 und dem 30. November 1911 zugleich Wachoffizier auf den Torpedobooten "V 185" und "V 183". Zwischen dem 2. Dezember 1911 und dem 6. Dezember 1911 war er zugleich Kommandant des Torpedobootes "S 62". Anschließend war er bis zum 20. September 1912 mehrfach kurzfristig Kommandant der Torpedoboote "S 74" und "V 183". Am 1. Dezember 1912 wurde Oberleutnant zur See Wehr als Wachoffizier auf den Großen Kreuzer SMS "von der Tann" versetzt. Auf diesem Schiff erlebte er den Beginn des Ersten Weltkrieges im August 1914. Mit dem Schiff nahm er an mehreren Einsätzen zur Beschießung der britischen Küste teil. Ab dem 6. Mai 1915 fungierte er als 1. Torpedo-Offizier auf dem Kreuzer und am 17. Oktober 1915 wurde er zum Kapitänleutnant befördert. Am 31. Mai 1916 nahm Oskar Wehr mit SMS "von der Tann" an der Skagerrak-Schlacht teil. Am 16. April 1917 folgte seine Versetzung als Lehrer an die Unterseebootsschule, ab dem 1. Juli 1917 fungierte er als Lehrer auf dem Torpedoschulschiff SMS "Württemberg". Bei Kriegsende geriet er in Kriegsgefangenschaft, aus der er am 31. Januar 1920 entlassen wurde. Nach seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft wurde Oskar Wehr zur Verfügung des Chefs der Marinestation der Ostsee gestellt und am 31. Mai 1920 Kommandeur der Kommandiertenabteilung der Marinestation der Ostsee. Am 5. Juni 1920 wurde er an die Marineschule in Mürwick versetzt und dort als Leiter des Aufbaustabes, Fähnrichsoffizier und Kompanieführer eingesetzt. Zwischen dem 24. August 1920 und dem 31. Dezember 1921 war er zugleich Verbindungsoffizier der Marinefriedenskommission. Am 1. Januar 1922 kam er als Lehrer an die Torpedoschule und ab dem 1. Januar 1923 war er Dezernent für Torpedowesen bei der Marineleitung bzw. dem Allgemeinen Marineamt. Her erfolgte am 1. Oktober 1923 seine Beförderung zum Korvettenkapitän. Am 5. März 1927 wurde Oskar Wehr auf das Linienschiff SMS "Elsaß" versetzt und dort als 1. Offizier eingesetzt. Am 25. September 1928 wurde er dann Chef des Stabes bei der Inspektion des Torpedo- und Minenwesens. Hier wurde er am 1. April 1929 zum Fregattenkapitän und am 1. Februar 1931 zum Kapitän zur See befördert. Am 29. März 1932 folgte seine Ernennung zum Arsenalkommandant des Marinearsenals in Kiel. Am 30. September 1934 wurde er schließlich aus dem Militärdienst entlassen.
Als Landesschutz-Offizier* wurde Oskar Wehr am 1. Oktober 1934 zum Marinekommissar für den Kaiser-Wilhelm-Kanal ernannt. Am 5. März 1935 folgte die Umbenennung zum Ergänzungs-Offizier*. Ab dem 9. September 1935 war Wehr Leiter der Torpedoversuchsanstalt Eckernförde. Hier wurde er am 1. April 1938 zu den Truppenoffizieren überführt. Am 16. April 1938 wurde im der Charakter zum Konteradmiral verliehen, am 1. April 1939 erhielt er das zugehörige Patent. Am 15. März 1940 folgte seine Verwendung als Admiral der Kriegsmarinedienststelle Danzig und ab dem 26. August 1940 stand er zur Verfügung des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine. Im Jahr 1940 kam es in der deutschen Kriegsmarine zur sogenannten Torpedokrise, als vor allem während der Invasionsoperationen in Norwegen (Unternehmen Weserübung) viele U-Bootangriffe auf Schiffe misslangen, weil die G7-Torpedos versagten. Die erst nach längeren Untersuchungen aufgefundenen und später abgestellten Fehler in den Torpedos waren hauptsächlich auf unzureichende Erprobungen, widersprechende Wirtschaftsinteressen sowie auf die Konkurrenz zwischen Torpedoerprobungskommando (TEK) und Torpedoversuchsanstalt (TVA) zurückzuführen. Im April 1940 bildete sich eine Torpedo-Kommission, die nach dreimonatiger Untersuchung feststellte, dass bei der TVA und dessen Leiter, Konteradmiral Wehr, "keinerlei Schuld, nicht einmal eine Disziplinarverfehlung vorliege". Trotz dieses Ergebnisses wurde von Großadmiral Raeder, dem Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, ein Ermittlungsverfahren beim Reichskriegsgericht angeordnet. Im Oktober 1941 wurde Oskar Wehr zu zwei Jahren und sechs Monaten wegen Außerachtlassung pflichtgemäßer Aufmerksamkeit und falscher Bewertung der bereits im Sommer 1939 vorgebrachten technischen Bedenken verurteilt. Zwei leitende Ingenieure erhielten ebenfalls Gefängnisstrafen. Im Februar 1942 wurde die Strafe in Festungshaft umgewandelt. Nach sechs Monaten wurde Oskar Wehr aus der Haft entlassen. Er wurde der Luftwaffe als Experte für Torpedofragen zur Verfügung gestellt und am 31. Oktober 1942 aus dem Militärdienst entlassen.

*Ausgeschiedene ehemalige Offiziere wurden oft als zivile Angestellte der (schwarzen) Reichswehr in "Landesschutzangelegenheiten" beschäftigt (L-Angestellte). Ab dem 1. Oktober 1933 taten diese als sog. L-Offiziere (L = Landsschutz; nicht Landwehr) Dienst in Kommandostellen der Reichswehr, trugen weiterhin Zivil und hatten an ihrem Rang ein "a.D." Das war wie eine eigene Laufbahn mit eigener Besoldung neben dem aktiven Offizierskorps. Am 5. März 1935 erfolgte die Umbenennung in E-Offiziere für Ergänzungsoffizierskorps. Hier trugen die Ränge dann ein (E) als Zusatz. Diese Offiziere wurden nur in bestimmten Bereichen, meist Innendienst eingesetzt und machten während der Aufrüstung aktive Offiziere frei für andere Verwendungen.

Literatur und Quellen:

Dermot Bradley, Hans H. Hildebrand, Ernest Henriot: Deutschlands Admirale 1849–1945 Band 3: P-Z Biblio Verlag, Osnabrück 1990
Oberkommando der Kriegsmarine: Rangliste der Deutschen Kriegsmarine 1938, Verlag Mittler und Sohn, Berlin, 1938
Oberkommando der Kriegsmarine: Rangliste der Deutschen Kriegsmarine 1937, Verlag Mittler und Sohn, Berlin, 1937
Oberkommando der Kriegsmarine: Rangliste der Deutschen Kriegsmarine 1936, Verlag Mittler und Sohn, Berlin, 1936
Oberkommando der Kriegsmarine: Rangliste der Deutschen Kriegsmarine 1935, Verlag Mittler und Sohn, Berlin, 1935