Spindler, Arno Otto
| * 10. Mai 1880, Gleiwitz † 18. Mai 1967, Hamburg |
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Arno Spindler trat nach seinem Abitur am 12. April 1898 als Kadett in die Kaiserliche Marine ein. Er kam zuerst zur Marineschule Kiel und absolvierte danach seine 1. Infanteristische Grundausbildung. Ab Ende Mai 1898 absolvierte er seine Schiffsausbildung auf dem Schulschiff der Gedeckten Korvette SMS "Stosch". Mit diesem nahm er an den Flottenmanövern im August und September 1898 teil. Es folgte die Wintertrainingsfahrt nach Westindien und ins Mittelmeer. Durch die Umbenennung seines Dienstgrades wurde er am 1. Januar 1899 zum Seekadett ernannt. Mit seinem Schiff besuchte er am 30. Januar 1899 Oran und war damit auf dem ersten deutschen Kriegsschiff, welches nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 wieder einen französischen Hafen anlief. Am 22. März 1899 erfolgte die Rückkehr nach Deutschland. Anschließend kam er für den Offizierkursus von April 1899 bis zum 31. März 1900 an die Marineschule in Mürwik. Dabei wurde er am 18. April 1899 (Q) zum Fähnrich zur See befördert. Nachdem er die Schule erfolgreich absolviert hatte, absolvierte er danach verschiedene Spezialkurse. Dabei wurde am 16. Oktober 1900 sein Patent als Fähnrich zur See auf den 18. April 1899 (K) angepaßt. Nach dem Ende der Spezialkurse trat er am 22. Oktober 1900 seine Reise nach Wussung in China an. Dort angekommen war er vom 7. Dezember 1900 bis 19. November 1902 an Bord vom Großen Kreuzer "Fürst Bismarck", dem Flaggschiff des Ostasiengeschwaders. Seine Beförderung zum Leutnant zur See erfolgte ebenfalls noch an Bord vom Flaggschiff der Kreuzerflotte, dem Großen Kreuzer "Fürst Bismarck", am 13. September 1901 unter Vorbehalt der Patentierung. Am 19. Oktober 1901 wurde ihm ein Patent als Leutnant zur See vom 13. September 1901 (J) verliehen. Er nahm auch an der Niederschlagung des Boxeraufstandes teil. Er wurde im Herbst 1902 zur I. Torpedoabteilung versetzt und anfänglich der I. Torpedoboot-Reserve-Division "D 3" als Wachoffizier zugeteilt. Deswegen verließ er am 20. November 1902 Honkong auf der Rückreise nach Deutschland, welches er Mitte Januar 1903 erreichte. Er wurde ab dem 19. Januar 1903 als Kompanieoffizier bei der I. Torpedoabteilung in Kiel eingsetzt. Dort diente er für fast drei Jahre bis zum 30. September 1905. Dabei war er vom 21. Januar 1903 bis zum 14. Februar 1903, vom 15. April 1903 bis zum 24. Juni 1903 und vom 1. Juli 1903 bis zum 30. September 1903 als Wachoffizier auf dem Torpedeboot "G 110" im Einsatz. Während dieser Zeit wurde er am 28. März 1903 (L) zum Oberleutnant zur See befördert. Vom 15. Oktober 1903 bis zum 14. Dezember 1903 und vom 6. April 1904 bis zum 16. August 1904 war er als Wachoffizier auf dem Torpedoboot "S 98" der I. Torpedobootsdivision im Einsatz. Vom 28. Dezember 1904 bis zum 31. März 1905 war er I. Offizier auf dem Torpedoboot "D 4" der I. Torpedoboots-Reserve-Division und vom 1. April 1905 bis zum 30. September 1905 als I. Offizier auf dem Torpedoboot "D 7" der I. Torpedoboots-Reserve-Division im Einsatz. Das Boot war von Ende Mai bis Anfang Juni 1905 bei der I. Torpedobootsdivision Teil der Aktiven Schlachtflotte und bei der II. Torpedobootsflottille (August 1905) im Einsatz. Am 1. Oktober 1905 wurde er als Torpedooffizier auf das Linienschiff "Elsaß" versetzt, das zum II. Geschwader der aktiven Schlachtflotte gehörte. In dieser Funktion wurde er für drei Jahre eingesetzt und dabei am 9. November 1907 zum Kapitänleutnant befördert. Am 1. Oktober 1908 wurde er als Kompanieoffizier und später Kompanieführer zur I. Werftdivision nach Kiel versetzt. Er heiratete im Jahr 1909 Hertha Goecke, Tochter vom Kapitän zur See Max Goecke. Am 5. April 1910 wurde er als Kompanieführer der 6. Kompanie zur II. Matrosendivision nach Wilhelmshaven versetzt. Später wurde er als Kompanieoffizier zur II. Torpedodivision versetzt. Vom 27. Jli 1910 bis zum 10. Juni 1910 befand er sich zur Information auf dem Spezialschiff "Vulcan". Am 1. Oktober 1910 wurde er zur Verfügung der Inspektion des Torpedowesens gestellt. Am 10. Oktober 1910 wurde er als Kompanieführer zur Unterseebootabteilung versetzt. Am 18. März 1911 wurde er zum Adjutant der Unterseebootabteilung in Kiel ernannt. Zum 7. Januar 1913 wurde er zum Chef der 2. Halbflottille der I. Unterseebootsflottille ernannt. Auch nach Ausbruch des 1. Weltkrieges Anfang August 1914 gehörte er noch für etwas mehr als ein Jahr weiter zu dieser Dienststelle. Als solcher wurde er am 27. Januar 1915 (E) auch zum Korvettenkapitän befördert. Ab dem 1. September 1915 wurde er als Dezernent für das Ubootswesen im Allgemeinen Marineamt des Reichsmarineamts eingesetzt. Ab Anfang Dezember 1917 war er Abteilungsleiter für das Ubootswesen vom Reichsmarineamt. Ab dem 1. Juli 1918 leitete er bis zum 7. November 1918 den Kommandantenkurs an der Unterseebootsschule. Am 8. November 1918 wurde er zur Verfügung des Chefs der Marinestation der Ostsee gestellt. Am 21. Dezember 1918 wurde er zur Dienstleistung zum Reichsmarineamt kommandiert. Im Ersten Weltkrieg wurden ihm neben beiden Eisernen Kreuzen noch andere Auszeichnungen wie das Ritterkreuz des Königlich Preußischen Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern, der Bayerische Militärverdienstorden IV. Klasse mit Schwertern und Krone, das Braunschweigische Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse, das Oldenburgische Friedrich Augustkreuz 1. Klasse und das Hanseatenkreuz der Stadt Bremen verliehen. Am 24. April 1919 wurde er zum Adjutant der Inspektion des Unterseebootswesens ernannt. Er wohnte damals privat in der Margaretenstraße 36 in Berlin-Lichterfelde. Anfang September 1919 wurde er Chef der Zentralabteilung der Reichswerft in Wilhelmshaven ernannt. Dort wurde er am 8. März 1920 (H) zum Fregattenkapitän befördert. Durch die Umbenennung der Einrichtung war er ab dem 14. März 1920 Chef der Zentralabteilung der Marinewerft Wilhelmshaven. Seine erste Frau starb im Jahr 1920. Am 27. Mai 1921 wurde er zum Chef des Stabes (B Z) vom Allgemeines Marineamt (B) ernannt. Er wohnte im Sommer 1921 privat auch in Swinemünde. Er heiratete daraufhin am 17. September 1921 und 20. September 1921 (kirchlich) die siebeneinhalb Jahre jüngere älteste Schwester seiner gestorbenen Frau Emma Paula Annie Wally Trowitzsch, geborene Goeke, Witwe des am 29. März 1918 während der Sommeoffensive östlich des Bahnhofs Marcelcave gefallenen Hauptmann vom 7. Garde-Feldartillerie-Regiment Kurt Hugo Karl Trowitzsch, Sohn des Kreisauer Rittergutsbesitzers Hugo Trowitzsch, in Potsdam. Als Chef des Stabes (B Z) wurde er am 1. April 1922 (2) zum Kapitän zur See befördert. Er wurde am 1. Juni 1923 durch Kapitän zur See Wilhelm Kahlert abgelöst und dafür zur Flottenabteilung (A II) vom Marinekommandoamt (A) der Marineleitung (M L) kommandiert. Am 24. Juni 1923 wurde er zum Leiter der Flottenabteilung (A II) ernannt. Er wohnte privat im Jahr 1925 in der 1. Etage der Goebenstraße 39 in Berlin-Dahlem, wo er die Telefonnummer St. 4636 hatte. Am 1. Oktober 1925 wurde er abgelöst und dafür zur Verfügung des Chefs vom Marinekommandoamt (A) gestellt. Er wurde am 31. Oktober 1925 aus dem aktiven Dienst der Reichsmarine verabschiedet. Dabei wurde ihm der Charakter als Konteradmiral verliehen.
Im Dezember 1925 übernahm er als Konteradmiral a.D. die Leitung des beim Marineamt neu gebildeten U-Boot-Referates (A u), das später aus Geheimhaltungsgründen unter A II u firmierte. Als Verbindungsmann zwischen dem Referat und der Ingenieurskantoor voor Scheepsbouw (I.v.S.) war Oberleutnant zur See a.D. Ernst Wanach vorgesehen, der aber noch vor Dienstantritt am 29. April 1926 im Alter von 33 Jahren starb. Dafür wurde Oberleutnant a.D. Hermann Richard Hans Schottky mit dieser Aufgabe betraut. Bei dem I.v.S. handelte es sich um ein 1922 gegründetes auf U-Boote spezialisiertes Konstruktionsbüro in Den Haag. Am 2. Juni 1926 reiste Konteradmiral a.D. Spindler mit dem Chef des Marinewaffenamtes, Kapitän zur See Walther Kinzel, nach Moskau. Ziel war es, die Zusammenarbeitsmöglichkeiten der beiden Marinen abzustimmen. Sie wurden dort auch vom deutschen Botschafter Ulrich von Brockdorff-Rantzau empfangen. Während Spindler für eine stärkere Zusammenarbeit plädierte äußerte Kinzel in einer späteren Stellungnahme zu seinem Bericht starke Bedenken gegen eine zu intensive Zusammenarbeit mit der Sowjetunion. Er machte keine ideologischen oder weltpolitischen Einwände, sondern sah dadurch die guten Beziehungen zu Finnland und der Türkei gefährdet. Er war aber nicht die einzige Stimme gegen diese Zusammenarbeit in der Marineführung. Als die Sowjetunion im Dezember 1926 informierte, dass wegen Mangel an Mitteln keine neuen U-Boote gebaut werden könnten, brachen die angebahnten Beziehungen wieder ab. Nach seiner Verabschiedung im Jahr 1925 war Spindler außerdem als Sachbearbeiter im Marinearchiv der Marineleitung bzw. später nach deren Umbenennung in der Kriegswissenschaftlichen Abteilung des Oberkommandos der Kriegsmarine (OKM) tätig. Er publizierte mehrere Bände im Rahmen des amtlichen Werkes "Der Krieg zur See 1914–1918", insbesondere den in fünf Bänden herausgegebenen Abschnitt zum Handelskrieg mit U-Booten. Seine zweite Frau starb im Alter von 41 Jahren am 23. September 1929 in der Wohnung in der Goebenstraße 39 in Berlin-Dahlem. 1935 wohnte er privat im Patschkauer Weg 39 in Berlin-Dahlem. Ab 1939 war er stellvertretender Prisenrichter am Oberprisenhof Berlin und blieb dies bis zum Jahr 1944. Am 20. August 1940 wurde er zur Verfügung der Kriegsmarine gestellt. Er heiratete am 21. April 1941 Alice Biermann, geborene Ruete, Tochter des Kaufmanns Andreas Hermann Ruete. Seine Ehefrau war bereits zweimal verheiratet. Die erste Ehe mit dem Rechtsanwalt Dr. jur. Hans Rudolf Ratjen war sie am 16. Mai 1900 eingegangen und diese war mit rechtsgültigen Urteil vom 15. August 1915 geschieden wurden. Aus dieser Ehe hatte sie den 1906 geborenen Sohn Ernst-Ulrich Biermann-Rathjen. Alice heiratete später den Leopold Otto Heinrich Biermann, der auch den Sohn adoptiert hatte. Zum 1. Juni 1941 wurde er zum Konteradmiral z.V. befördert. Am 24. April 1943 wurde er zur Verfügung des Oberbefehlshaber des Marineoberkommandos der Ostsee gestellt. Am 5. Mai 1943 wurde er mit Wirkung vom 31. Mai 1943 unter Verleihung des Rechts zum Tragen der bisherigen Uniform aus dem aktiven Wehrdienst entlassen. Am 7. Juli 1944 wurde mit Wirkung vom 31. Juli 1944 seine z.V. Stellung aufgehoben und er war danach bis Kriegsende weiter als ziviler Mitarbeiter in der Kriegswissenschaftlichen Abteilung des OKM tätig. Nach der Kapitulation der Wehrmacht im Mai 1945 befand er sich bis zum Jahr 1947 in amerikanischer Gefangenschaft. Nach der Entlassung nahm er in Hamburg seinen Wohnsitz. Er wohnte 1960 in der Heimhuder Straße 61 in Hamburg 13. Seine dritte Ehefrau starb am 13. September 1962 in Vierhöfen. Sie wurde daraufhin auf dem Friedhof Hamburg-Ohlsdorf beerdigt.
Literatur und Quellen:
Hans H. Hildebrand: Deutschlands Admirale 1849–1945. Band
2: P–Z (Packroß bis Zuckschwerdt). Biblio Verlag, Osnabrück 1990
Pers 6/2452